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Stefan Ströher - Präventionsbeauftragter

Präventionskonzept

Als christliches Internat sind wir davon überzeugt, dass jeder Mensch eine von Gott gegebene unantastbare Würde besitzt. Diese Würde zu bewahren und die uns Anvertrauten vor der Verletzung ihrer Würde zu schützen ist selbstverständlicher Teil unseres Auftrags. Daher gehört die Prävention jeder Form von Gewalt, sei sie physischer, psychischer oder sexueller Provenienz zu einem der Qualitätsmerkmale auch unserer Einrichtung.
Präventive Arbeit im Studienseminar versteht sich nicht als Angebot, sondern als Erziehungshaltung der pädagogischen Fachkräfte. Sie muss kontinuierlich wirken, Kinder/Jugendliche in ihren Kompetenzen stärken und ihre Autonomie fördern. Deshalb lässt sie sich nicht auf ein einmaliges Projekt beschränken, sondern ist nachhaltig in der alltäglichen Arbeit und Pädagogik des Internats integriert.

1. Ziele präventiver Arbeit

Prävention will Kinder und Jugendliche in ihrer Persönlichkeit stärken, um sie vor gewaltvollen Übergriffen und sexuellem Missbrauch zu schützen. Die Inhalte der Präventionsbausteine sind nicht nur im Zusammenhang mit sexueller Gewalt relevant, sie wirken selbstverständlich auch in vielen anderen Lern- und Lebensbereichen positiv, zum Beispiel bei der Entwicklung von positivem Selbstwertgefühl und Autonomie, der Verbesserung des Sozialverhaltens und des sozialen Klimas in der Gruppe, beim Konfliktmanagement sowie der Gewaltprävention. Somit tragen sie entscheidend zu einer guten und gesunden Entwicklung der Heranwachsenden bei.

1.1 Stärkung der Schülerpersönlichkeit

Die Seminaristen sollen im Lebensraum Internat in ihrer Persönlichkeit gestärkt werden und wissen/erleben, dass sie einmalig und wertvoll sind, unabhängig von ihren schulischen Leistungen. Die Erwachsenen sind gefordert, sie in ihrer jeweiligen Eigenheit, ihrem Eigen-Sinn und ihrer Selbstbestimmtheit ernst zu nehmen, sich an ihren individuellen Ressourcen zu orientieren. Diese Form des Wahrgenommenseins und des Umgangs fördert ein gutes Selbstwertgefühl und ermöglicht den Heranwachsenden, sich ihrer eigenen Gefühle bewusst zu werden und sie benennen zu können. In präventiver Erziehungshaltung können Lehrkräfte klare Grenzen setzen, konstruktiv Kritik äußern und den Schülerinnen dabei helfen, eine gute Selbstwahrnehmung zu entwickeln. Ebenso wichtig ist die Reflexion von rollenspezifischen Verhaltensmustern, was bedeutet, dass keine Festschreibungen in Bezug auf das Geschlecht vorgenommen werden. Gleichzeitig ist es notwendig, Klischee verstärkende Erziehungspraktiken zu erkennen, zu reflektieren und gegebenenfalls zu ändern.

1.2 Offene Gesprächskultur

Eine offene Gesprächskultur in und zwischen allen hierarchischen Ebenen ist im Internatsalltag von entscheidender Bedeutung. Sie ermöglicht freie Meinungsäußerung, schafft Beziehung und Vertrauen zwischen allen Beteiligten und lässt Kritik zu. Auch Autoritäten dürfen hinterfragt werden. Offene Gesprächskultur impliziert die Selbstverständlichkeit, sich Unterstützung zu suchen, wenn etwas nicht alleine zu bewältigen ist. Dies gilt für alle Bereiche, u.a. für fachliche Fragen, Probleme, Konflikte, Mobbing. Heranwachsende sollen lernen, dass die Inanspruchnahme von Hilfe kein Zeichen von Schwäche ist, sondern vielmehr von Mut und Klugheit zeugt.
So erleben die Seminaristen ein Umfeld, in dem sie bei Gewaltanwendung oder sexuellem Missbrauch einen Weg finden können, sich einer Person ihres Vertrauens mitzuteilen.
Des Weiteren ist es nötig, dass Kinder und Jugendliche zwischen guten und schlechten Geheimnissen unterscheiden lernen und erkennen, dass aufgezwungene Geheimnisse oder Geheimnisse, die ihnen ein ungutes Gefühl geben, weitergesagt werden dürfen.

1.3 Respektvoller Umgang und gutes Gemeinschaftsklima

Zu den Leitzielen des Studienseminars gehört die Förderung eines vertrauensvollen und belastbaren Gemeinschaftsklimas sowie des respektvollen Umgangs miteinander, was sowohl den verbalen wie nonverbalen oder körperlichen Bereich umfasst. Die pädagogischen Fachkräfte verfügen über eine angemessene Sprachfähigkeit, auch bei Konflikten, kennen ihre nonverbalen Ausdrucksformen und achten auf ein klares Nähe-Distanz-Verhältnis. Sie nehmen in Bezug auf sexistische Verhaltensweisen und Sprüche deutlich ablehnende Standpunkte ein.

2. Krisenleitfaden bei physischer und psychischer Gewalt

Wo immer Menschen zusammenleben gibt es Meinungsverschiedenheiten und Konflikte. Dabei können trotz aller pädagogischer Vorsorge gewaltvolle Prozesse entstehen, die die Integrität einer Person im Studienseminar verletzten (z. B. durch verbale Drohungen, Einschüchterung, Diskriminierung, Schikanen, Erpressung, Mobbing, körperliche Gewaltanwendung).
Vorgehensweise bei Gewaltanwendung …
 
      durch einen Seminaristen oder eine Seminaristen-Gruppe:
Betroffener meldet Vorfall mit den entsprechenden Fakten der/dem zuständigen PräfektenIn oder VertrauenspräfektenIn.
Maßnahmen der/des PräfektenIn:
            - Feststellung der beteiligten Personen und Bewertung der Intensität des Vorfalls und Einschätzung der benötigten Hilfe und sofortigen Schutzmaßnahmen.
            - Dokumentation des Vorkommnisses und umgehende Information an die Präfektenkonferenz und bei Bedarf Beratung über das weitere Vorgehen mit dem Seminardirektor.
Erörterung pädagogischer Maßnahmen (Einbeziehung der Gruppensprecher oder des Seminarsprechers, Gruppengespräch, Information an die Eltern) und disziplinarischer Konsequenzen und Folgemaßnahmen (falls nötig Jugendamt, Psychologe, Erziehungsberatungsstelle).
 
      durch eine/einen MitarbeiterIn des Hauses:
Betroffener meldet Vorfall mit den entsprechenden Fakten dem Seminardirektor
Maßnahmen des Seminardirektors:
            - Bewertung der Intensität des Vorfalls und Einschätzung der benötigten Hilfe    und sofortigen Schutzmaßnahmen.
            - Gespräch mit der/dem MitarbeiterIn – Einholung seiner Stellungnahme.
            - Dokumentation des Vorkommnisses.
            - umgehende Prüfung des Sachverhalts mit entsprechenden pädagogischen,         disziplinarischen und/oder arbeitsvertraglichen Konsequenzen.
            - Benachrichtigung der Erziehungsberechtigten.

3. Prävention und Krisenleitfaden bei sexueller Gewalt

3.1 Regelungen für die Mitarbeiter im Studienseminar St. Michael

Im Bewerbungs- und Anstellungsverfahren informieren wir die BewerberInnen über die Standards unserer Einrichtung zur Problematik sexualisierter Gewalt.
Die Problematik sexualisierter Gewalt gegen Schutzbefohlene, unsere Regeln zum Umgang mit der Problematik und unsere Verhaltenskodizes werden im Bewerbungsgespräch, im Anstellungsverfahren und in der Einarbeitungsphase thematisiert.

  • Im Studienseminar St. Michael dürfen keine Personen eingesetzt werden, die bereits rechtskräftig wegen Handlungen nach dem 13. Abschnitt des Strafgesetzbuchs verurteilt wurden.

  • Von allen haupt- und nebenamtlichen Mitarbeitern sowie vor jeder Neuanstellung ist deshalb ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis nach §30a BZRG anzufordern und sodann regelmäßig alle fünf Jahre vorzulegen. Die Kosten für die erstmalige Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses im Rahmen einer Einstellungsbewerbung trägt der Bewerber. In allen anderen Fällen trägt die Einrichtung die Kosten.
       
  • Das Thema „Nähe und Distanz“ wird in unserer gesamten Einrichtung durch die Seminarleitung eingebracht, mit den Mitarbeitern pädagogisch reflektiert und in alltagstauglichen Anleitungen konkretisiert.

  • Mitarbeiter- und Personalentwicklungsgespräche bieten die Möglichkeit, die Problematik sexualisierter Gewalt, die eigene professionelle Rolle bei der Arbeit mit Schutzbefohlenen und Fragen wie das Nähe-Distanz-Verhältnis regelmäßig wieder zu thematisieren.
     
  • Der Träger bzw. die Seminarleitung stellt den MitarbeiternInnen auf deren Verlangen Möglichkeiten der regelmäßigen Teamberatung und Supervision durch externe Fachkräfte zur Verfügung.

  • Die Einrichtung fördert regelmäßige Fortbildungen zum Thema sexualisierter Gewalt für die MitarbeiterInnen. Diese sollen dazu dienen, das Wohl der jungen Menschen stets zum Mittelpunkt der Arbeit zu machen, Vorkehrungen zur Vermeidung von Straftaten zu treffen und Seminaristen, Erziehungsberechtigte sowie Mitarbeiter angemessen über die Problematik sexualisierter Gewalt und den Umgang mit derselben aufzuklären.

3.2 Dienstanweisung für alle Mitarbeiter mit verbindlichen Regeln

Bei der Arbeit mit jungen Menschen nimmt die Beziehung mit diesen eine vorrangige Rolle ein. Um diese Beziehung verantwortlich zu leben, ist ein gesundes und ausgewogenes Verhältnis von Nähe und Distanz unverzichtbar. Dieses muss immer wieder aufs Neue überprüft werden. Alle MitarbeiterInnen des Erzbischöflichen Studienseminars St. Michael sind dazu angehalten, sich jederzeit selbst in ihrer Arbeit zu hinterfragen, sich aber auch regelmäßig Rückmeldungen von anderen Mitarbeitern einzuholen bzw. regelmäßig Rückmeldungen an andere zu geben.

  • Alle MitarbeiterInnen begegnen den Menschen in unserer Einrichtung stets mit Wertschätzung und Respekt.
       
  • Es muss eine Atmosphäre der Offenheit und der Gesprächsbereitschaft geben, damit die Menschen auch über Dinge sprechen können, die sie bedrücken.
       
  • Probleme mit anderen MitarbeiternInnen oder der Leitung von St. Michael dürfen grundsätzlich nicht mit den jungen Menschen thematisiert werden.
       
  • Es gibt eine klare Trennung von Privat- und Berufsleben.
       
  • Verwandtschaftsverhältnisse und Privatkontakte und -beziehungen zu den uns anvertrauten jungen Menschen und/oder deren Familien sind der Seminar- bzw. Schulleitung offen zu legen.
      
  • Private Sorgen und Probleme von MitarbeiternInnen dürfen nur dann mitgeteilt werden, wenn sie dem pädagogischen Prozess dienlich sind und die jungen Menschen nicht belasten (z. B. Trauerfall in der eigenen Familie als Gesprächsangebot für den Umgang mit Trauer).
       
  • Die uns anvertrauten jungen Menschen dürfen nicht als „seelischer Mülleimer“ für Mitarbeiter missbraucht werden.
      
  • Unzufriedenheit von MitarbeiternInnen mit betrieblichen Abläufen und mit anderen KollegenInnen ist grundsätzlich nicht   Gegenstand von Gesprächen mit den uns anvertrauten jungen Menschen.
       
  • Jegliche Angebote einer vergüteten Tätigkeit durch die uns anvertrauten jungen Menschen oder deren Eltern sind abzulehnen (z. B. Babysitterdienste, zusätzliche Förderung etc.).
     
  • Es ist verboten, gegen Schutzbefohlene physische Gewalt anzuwenden.

  • Generell gilt: Die individuelle/kulturelle Schamgrenze der jungen Menschen und Grenzen im Körperkontakt mit ihnen ist zu wahren.

  • MitarbeiterInnen dürfen Schutzbefohlene nicht vorsätzlich an Stellen berühren, die sexuell besetzt sind. Verantwortung hierfür trägt die/der MitarbeiterIn, nicht der Schutzbefohlene.

  • Das Fotografieren und Beobachten von Schutzbefohlenen beim An- und Ausziehen bzw. in unbekleidetem Zustand (z. B. Sanitärräume) ist verboten.
       
  • Alle MitarbeiterInnen sind bereit, sich auf ihr äußeres Erscheinungsbild und ihre Wirkung auf und ihr Verhalten gegenüber den Schutzbefohlenen hinterfragen zu lassen. Alle MitarbeiterInnen kleiden sich angemessen.
      
  • Privaträume der Schutzbefohlenen, insbesondere Badezimmer, Duschkabinen und das eigene Zimmer, sind nur mit ihrer Erlaubnis oder aus ausreichendem Grund zu betreten. Dies gilt auch auf Fahrten.

  • Bei Veranstaltungen mit Übernachtung haben Schutzbefohlene und Mitarbeiter wenn möglich in getrennten Räumen zu übernachten. Sollte dies nicht möglich sein, sind getrennte Betten, Matratzen, Schlafsäcke o. ä. zu verwenden.

  • Das Thema Sexualität ist kein Tabuthema, sondern ein wichtiger Teil der Entwicklung, der zur Persönlichkeit des Menschen gehört. Es wird – wenn nötig – altersentsprechend und mit dem nötigen Respekt thematisiert. Ebenso wird mit den Themen Grenzverletzung und sexuellem Missbrauch umgegangen.

  • Alle MitarbeiterInnen sind verpflichtet, die Seminarleitung über deutliches Fehlverhalten, z. B. Ausübung von psychischem Druck, sexuelle Grenzverletzung (verbal oder tätlich), Gewalt jeglicher Art, Demütigungen von MitarbeiternInnen gegenüber Schutzbefohlenen oder KollegenInnen unverzüglich in Kenntnis zu setzen.

  • MitarbeiterInnen haben das Recht, bei empfundenem oder vermutetem Fehlverhalten den Schutz des Schutzbefohlenen, wenn nötig durch Kontrolle, z. B. Hineingehen in ein Zimmer, in dem eine/ein MitarbeiterIn mit einem Schutzbefohlenen allein ist, zu gewährleisten.
       
  • MitarbeiterInnen haben das Recht, sich bei empfundenem oder vermutetem Fehlverhalten von KollegenInnen (befremdliches Gefühl) an eine dritte Stelle zu wenden. Sie haben die Pflicht, damit verantwortlich umzugehen. Vom Erzbischöflichen Studienseminar St. Michael sind neutrale und unabhängige Beratungsinstanzen benannt, die dazu genutzt werden.
     
  • Finanzielle Zuwendungen und Geschenke an einzelne Schutzbefohlene sind generell zu unterlassen. Ausnahmen von dieser Regelung bedürfen der ausdrücklichen Erlaubnis der Seminarleitung.

  • Exklusive freundschaftliche Beziehungen mit einzelnen Schutzbefohlenen sind zu vermeiden.
       
  • Bei der Auswahl von Filmen, Computersoftware, Spielen und schriftlichem Material ist auf die Regelungen des Jugendschutzes zu achten.
       
  • Auch bei der eigenen Sprachwahl sowie der Art von persönlicher Unterhaltung in Anwesenheit von Schutzbefohlenen ist auf eine angemessene Wortwahl und Gestik zu achten. Eine sexuell getönte Sprache, z. B. Kosenamen mit sexuellem Bezug, sexistische Witze, sexuelle Entwertungen etc. sind zu unterlassen.
       
  • Grenzverletzungen unter Schutzbefohlenen, seien diese verbal, schriftlich, tätlich etc. werden von den Mitarbeitern nicht hingenommen, sondern direkt angesprochen und auch gegenüber der Seminarleitung thematisiert.
     
  • Beleidigungen rassistischer Art, Beschimpfungen und Ausdrücke unter den Schutzbefohlenen müssen unterbunden und geahndet werden.

  • Spiele, die sexuelle (Zwangs-)Handlungen beinhalten, sind zu unterlassen bzw. zu unterbinden.
       
  • Körperliche Berührungen beim Begrüßen, Ermuntern, Trösten (z. B. bei Verletzungen, Traurigkeit) dürfen sich nicht an den eigenen Bedürfnissen des Mitarbeiters orientieren und müssen angemessen sein.
       
  • Auch wenn wir um den Missbrauch körperlicher Nähe wissen, darf dies nicht dazu führen, dass ein gesunder und notwendiger körperlicher Kontakt (z. B. im Spiel) vermieden und misstrauisch beobachtet wird. Der Umgang mit jungen Menschen und die Suche nach dem angemessenen Nähe-Distanz-Verhältnis erfordert eine hohe Sensibilität und Aufmerksamkeit auf Seiten der Mitarbeiter und einen grundsätzlichen und andauernden Reflexionsprozess. Hierbei ist sowohl das Verhalten von Mitarbeitern gegenüber Heranwachsenden, aber auch das Zusammenleben der jungen Menschen in den Blick zu nehmen.

3.3 Sexuelle Gewalt durch Mitarbeiter

Eine Vermutung oder ein Verdacht, dass Missbrauch stattfindet oder stattgefunden hat, kann sich gegen alle Personen richten, die mit den in unserer Einrichtung betreuten jungen Menschen befasst sind. Für alle Mitarbeiter steht an erster Stelle die Pflicht, den Schutz der Schutzbefohlenen zu gewährleisten. Alle Informationen und insbesondere Namen werden aus Gründen des Opfer- und Täterschutzes streng vertraulich behandelt. 

  • Jeder Schutzbefohlene, der einen Vorwurf sexualisierter Gewalt äußert oder eine Beobachtung mitteilt, muss ernst genommen werden. Er bedarf der Unterstützung und Begleitung von Beginn der Mitteilung an.

    Man sollte sich folgende Fragen beantworten:
    − Was ist am potentiellen Opfer aufgefallen (körperliche Symptome, Verhalten usw.)?
    − Was wurde wann und wie mitgeteilt (persönlich, schriftlich, anonym, über Dritte)?
    − Was lösen die Beobachtungen beim Informierten aus?

  • Die Dokumentation der Beobachtungen mit Namen, Datum, Ort und Uhrzeit ist wichtig (z. B. für eine spätere Beweisführung) und verhindert, dass Details verwischt oder verwechselt werden.

  • Bei der Dokumentation ist darauf zu achten, dass konkrete Beobachtungen oder Gehörtes beschrieben, benannt und deutlich von eigenen Interpretationen getrennt werden. Wahrnehmungen sollten möglichst detailgenau geschildert werden.
       
  • Man sollte bedenken, ob es nicht auch andere Erklärungsmöglichkeiten für das Verhalten des Schutzbefohlenen bzw. des Mitarbeiters gibt.
       
  • Mitarbeiter, die einen Verdacht hegen, sind verpflichtet, dies der/dem Missbrauchsbeauftragten unverzüglich mitzuteilen, die/der alle entsprechenden Maßnahmen ergreift. Bei Minderjährigen sind, sobald sich Vermutungen verdichten, die Eltern ins Vertrauen zu ziehen.
       
  • In Gesprächen sollten nicht die Vermutungen als Missbrauch interpretiert, sondern zunächst einzelne Verhaltensweisen des Verdächtigten problematisiert werden.
       
  • Man sollte sich klar machen, dass ein missbrauchender Mitarbeiter ein Gerüst von Erklärungen und Rationalisierungen aufstellen wird, wenn er von Anschuldigungen oder Vermutungen erfährt, um die Beobachtungen zu entkräften. Die Behauptungen sind in jedem Fall genau zu prüfen.
       
  • Sollte sich der Verdacht erhärten, muss der Schutz des Schutzbefohlenen sichergestellt und der Kontakt zwischen dem Verdächtigen und dem mutmaßlichen Opfer umgehend unterbrochen werden, bis es zur Klärung des Verdachts oder Vorwurfs kommt.
       
  • Die Betroffenen sind zu hören und bei minderjährigen die Eltern des mutmaßlichen Opfers zu unterrichten.
       
  • Sollte sich der Verdacht bestätigen, ist der Mitarbeiter sofort vom Dienst zu suspendieren und arbeitsrechtliche Konsequenzen sind einzuleiten.
       
  • Das Hinzuziehen externer Fachkräfte ist anzuraten.
       
  • Ggf. müssen auch nicht unmittelbar betroffene Schutzbefohlene, Eltern sowie Mitarbeiter durch Hilfestellungen (Vertrauenspersonen, externe Fachkräfte) unterstützt werden.
       
  • Weitere Schritte sind je nach Fall mit fachkompetenten Stellen zu erörtern.
       
  • Das gesamte Überprüfungs- und Aufklärungsverfahren wird sorgfältig dokumentiert.
       
  • Die Seminarleitung ist bei einem Vorfall sexualisierter Gewalt zur Information der Aufsichtsbehörden (Erzbischöfliches Ordinariat München, staatliche Stellen, Jugendamt), zur Einschaltung der Staatsanwaltschaft und aktiven Mitwirkung an der Aufklärung des Vorfalls verpflichtet.
     
  • Für den Kontakt zur Presse ist die Seminarleitung zusammen mit der/dem Missbrauchsbeauftragten zuständig. Vor Ort wird schnellstmöglich eine Pressemitteilung formuliert, auf die bei Anfrage verwiesen wird. Im Interesse des Opferschutzes ist darauf zu achten, die Informationen auf das Notwendigste zu beschränken.

3.4 Sexuelle Gewalt durch Schutzbefohlene

Es darf in unserer Einrichtung keine sexualisierte Gewalt durch Andere geben. Dies gilt nicht nur zwischen Mitarbeitern und den ihnen anvertrauten Schutzbefohlenen, sondern auch für Seminaristen. Die Vorgehensweise bei Vermutungen und Verdacht gegen Täter aus dem Kreis der Schutzbefohlenen ist mit den oben geschilderten Fällen identisch.
 

3.5 Vorgehen bei sexueller Gewalt im Studienseminar

Sexualisierte Gewalt kann bei den Opfern irreparable körperliche und seelische Schäden verursachen. Auch Grenzverletzungen und Übergriffe, die nicht zur Strafverfolgung führen, können gravierende seelische Verletzungen hervorrufen und Vorstufe zu strafrechtlich relevanter Gewalt sein. Deshalb ist alles zu unternehmen, solche Taten zu verhindern. Sollte sich dennoch der Verdacht einer Tat erhärten oder tatsächlich eine Tat geschehen, gilt das im Folgenden dargestellte Regelwerk. Dieses Vorgehensschema bildet die Grundlage für die einzelnen Schritte, die im Falle eines Verdachtes auf Missbrauch innerhalb unserer Einrichtung zu erfolgen haben. Die Prüfung erfolgt durch den Seminardirektor und die/den Missbrauchsbeauftragten. Die Dokumentation wird bei der/dem Missbrauchsbeauftragten archiviert. Ist der Seminardirektor Beschuldigter, erfolgt die Prüfung durch die/den Missbrauchsbeauftragten der Erzdiözese München und Freising. Im Falle eines begründeten Vorwurfs wird der/die Beschuldigte von den zuständigen Autoritäten des Erzbischöflichen Ordinariats bis zur endgültigen Klärung vom Dienst suspendiert. 
 
 

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3.6 Erwiesene sexuelle Gewalt

Die Leitung muss klarstellen, dass sie die „Macht“ hat, übergriffige Schutzbefohlene in ihre Schranken zu weisen. Erst dadurch kann die Gefahr gravierender psychischer Folgen für den betroffenen Schutzbefohlenen reduziert werden. Der übergriffige Schutzbefohlene muss erleben, dass seine Macht ein Ende findet, sobald sich die Leitung einschaltet. Betroffene Eltern Minderjähriger auf Opfer- und Täterseite müssen einbezogen werden.
Ausführliche Gespräche mit dem übergriffigen Schutzbefohlenen sind zu führen, auch wenn der betroffene Schutzbefohlene Vorrang hat. Der Übergriff muss genau benannt werden, um der übergriffigen Person die Verantwortung für ihre Handlung übergeben zu können. Im Gespräch muss zur Verhaltensänderung aufgefordert werden. Weitere Gespräche sollten dem Ziel dienen, die übergriffige Person zur Einsicht in ihr Fehlverhalten zu bewegen.
Die Ablehnung darf nur auf die Übergriffssituation – das Verhalten – bezogen werden und nicht auf die übergriffige Person. Kon-sequenzen, Sanktionen und Maßnahmen müssen in einem inneren Zusammenhang mit dem übergriffigen Verhalten stehen. Das Opfer sexualisierter Gewalt erhält, je nach Fall, Unterstützung und psychosoziale Begleitung.

3.7 Leitfaden zur Meldung besonderer Vorkommnisse

Das Erzbischöfliche Studienseminar St. Michael ist eine Einrichtung der Erzdiözese München und Freising. Als solche verpflichtet sie sich den Schutz von Kindern und Jugendlichen gemäß §45 SGB VIII zu gewährleisten.
Besondere Vorkommnisse werden deshalb der Regierung von Oberbayern (Heimaufsicht) und zugleich dem örtlich zuständigen Jugendamt Traunstein sowie dem jeweils für die betroffenen Minderjährigen zuständigen Jugendamt (belegendes Jugendamt) unverzüglich gemeldet.
Die folgenden Ausführungen stellen den Leitfaden zur Meldung besonderer Vorkommnisse entsprechend der Betriebserlaubnis nach §45 Abs. 2 SGB VIII für Kinder und Jugendliche in stationären und teilstationären Einrichtungen in Oberbayern dar. Dieser im Konzept des Studienseminars St. Michael fixierte Leitfaden wurde einem Formblatt der Regierung von Oberbayern mit Stand 29.10.2010 entnommen.

1. Erstmeldung
Die Erstmeldung erfolgt unverzüglich schriftlich per Fax oder E-Mail. Sie beinhaltet folgende Punkte:
• Was ist vorgefallen? Wann? Wo?
• Wer war beteiligt?
• Welche Sofortmaßnahmen wurden eingeleitet?

2. Stellungnahme
Eine Stellungnahme zu dem Vorkommnis erfolgt zeitnah, ausführlich und ebenfalls schriftlich. Dieser ist zu entnehmen:
• Vorgeschichte,
• Person (Namen und berufliche Qualifikation), laut Dienstplan, tatsächlich anwesend,     am Vorfall beteiligt.
• Weitere am Vorfall Beteiligte und Beobachter.
• Maßnahmen, die das Personal sofort ergriffen hat.
• Information an den Träger und die Sorgeberechtigten.
• Erforderliche ärztliche Untersuchungen bzw. Behandlungen.
• Pädagogische und gegebenenfalls therapeutische Bearbeitung des Vorfalls mit den  Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen

3. Weitere geplante Verfahrensschritte
In einem weiteren Schritt werden der Behörde weitere geplante Verfahrensschritte, die der Träger zusammen mit dem Personal ergreift, mitgeteilt. Hierunter fallen:
• Maßnahmen, die der Träger unmittelbar nach Kenntnisnahme des Vorfalls ergriffen hat und noch ergreifen wird.
• Konzeptionelle und/oder strukturelle Änderungen.
• Prüfung hinsichtlich der Erstattung einer Strafanzeige.
• Arbeits- und dienstrechtliche Maßnahmen.

Ansprechpartner bei Gewaltvorfällen
 
a) Ansprechpartner im Erzbischöflichen Studienseminar St. Michael:
Präventions- und Missbrauchsbeauftragter am Studienseminar St. Michael ist derzeit Präfekt Stefan Ströher. 
Die Seminarleitung verweist auch auf die Vertrauenspersonen an den von Seminaristen besuchten Schulen (z. B. Verbindungslehrer/-in, Schulleiter/-in, Klassenlehrer/-in, usw.).
 
 
b) Ansprechpartner des Erzbistums München und Freising:
Koordinationsstelle zur Prävention von sexuellem Missbrauch
 
·     Peter Bartlechner, Diplom Sozialpädagoge (FH), Supervisor (DGSv)
            Mobil:0151/46138559
            E-Mail: PBartlechner@eomuc.de
 
·     Lisa Dolatschko-Ajjur, Pädagogin (M.A.)
            Mobil: 0160/96346560
            E-Mail: LDolatschkoAjjur@eomuc.de

bei Beschwerden über den Seminardirektor:

·     Dr. Sandra Krump, Ordinariatsdirektorin
           Kapellenstr. 4, 80333 Münschen
           Telefon: 089/2137-1368
           Fax: 089/2137-271368
           E-Mail: ressort-bildung@eomuc.de

 

 c) Ansprechpartner der Erzdiözese München und Freising bei Missbrauchsverdacht:

Als „Bischöfliche Beauftragte der Erzdiözese München und Freising für die Prüfung von Verdachtsfällen des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger durch Kleriker, Ordensangehörige oder andere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im kirchlichen Dienst“ wurden zwei externe Rechtsanwälte ernannt:

·     Ute Dirkmann, Rechtsanwältin
            Schloss-Prunn-Straße 5a
            81375 München
            Tel: 089/74160023
            Fax: 089/74160024
            E-Mail: info@kanzlei-dirkmann.de
 
·     Dr. Martin Miebach, Rechtsanwalt
            Pacellistraße 4
            80333 München
            Tel: 089/212147-0
            Fax: 089/212147-260
            E-Mail: muenchen@bdr-legal.de

d) Beratungsstellen

Landratsamt Traunstein - Amt für Kinder, Jugend und Familie in Traunstein
Tel: 08 61/58-431
 
Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche – Caritas-Zentrum
Tel: 0861/7087940

Hotline für Opfer sexualisierter Gewalt:
Tel: 0800/120 1000
 
N.I.N.A. – Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen
Telefonische Beratung und Beratung per Email
Sprechzeiten: Mo, 9 bis 12 Uhr und Do, 13 bis 17 Uhr
Tel: 01805/12 34 65
E-Mail: mail@nina-info.de
www.nina-info.de
 
„Nummer gegen Kummer“
Mädchen und Jungen können sich an das Kinder- und Jugendtelefon
„Nummer gegen Kummer“ wenden:
Nummer gegen Kummer: 116 111 (kostenfrei und anonym)
Sprechzeiten: Mo bis Sa: 14 bis 20 Uhr
www.nummergegenkummer.de
 
Tauwetter - Anlaufstelle für Männer, die als Junge sexuell missbraucht wurden
Hilfe und Unterstützung für erwachsene Betroffene, Berlin
Tel: 030/693 80 07
E-Mail: beratung@tauwetter.de
 
Kinderschutzportal
Kontakt- und Informationsstelle zur schulischen Prävention von sexueller Gewalt
www.schulische-praevention.de
 
Kinderschutz-Zentrum München
Tel: 089/55 53 56
www.kinderschutzbund-muenchen-de/fachleute
 
Deutscher Kinderschutzbund Landesverband Bayern e.V.
Tel: 089/92 00 89-0
info@kinderschutzbund-bayern.de
 

Die ARCHE – Suizidverhütung und Hilfe in Lebenskrisen
Tel: 089/334041

3.4 Beschwerdewege

Unsere Einrichtung achtet das Recht auf Beschwerde seitens der Internatsschüler. Neben dem oben beschriebenen Krisenleitfaden gibt es im Studienseminar folgende Beschwerdewege:
 

  • Ein Seminarist fühlt sich ungerecht behandelt von einem Internatsschüler - Beschwerdeweg:
    Er meldet sein Anliegen der/dem für ihn zuständigen PräfektenIn (oder über Gruppensprecher der/dem PräfektenIn).
           
  • Ein Seminarist fühlt sich ungerecht behandelt von einer/einem Hausangestellten - Beschwerdeweg:
    Er meldet sein Anliegen der/dem PräfektenIn oder Seminardirektor.
          
  • Ein Seminarist fühlt sich ungerecht behandelt von einer/einem PräfektenIn - Beschwerdeweg:
    Er meldet sein Anliegen dem Seminardirektor.
          
  • Ein Seminarist fühlt sich ungerecht behandelt vom Seminardirektor - Beschwerdeweg:
    Er meldet sein Anliegen der zuständigen Ressortleiterin Bildung vom Erzbischöflichen Ordinariat oder dem Jugendamt oder der Heimaufsicht der Regierung von Oberbayern.
     
    Jederzeit hat der Seminarist das Recht, sich bei einer Beschwerde an die/den hausinternen VertrauenspräfektenIn zu wenden und sich von ihr/ihm unterstützen zu lassen oder sich direkt an die Heimaufsicht der Regierung von Oberbayern zu wenden.

Regierung von Oberbayern
Sachgebiet 13                                                                               
Soziales & Jugend                                                                 
Schutz von Kindern u. Jugendlichen in Einrichtungen
Maximilianstrasse 39                                                              
80538 München                                                                                            
Telefon: 08921763208                                                                 
Fax: 089 2176 40 3208

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